Wieder einen Hilfstransport erfolgreich abgeschlossen – 20. bis 25. September 2017

Am 20. September 2017 startete unser Verein mit einem neuen Hilfstransport nach Weißrussland. Mit dabei: Birgit Peschel, Simone Dittmann, Gerhard Jalowski, Winfried Gerth, Mario Schaffran, Peter Turtel und Ulrich Jetschke, zwei LKW-Züge und ein Begleit-PKW.

Gestartet wurde diesmal vom Gelände der Greizer Firma BlechTech, wo unser Verein seit Langem kostenlos Stellplätze für die Ladebrücken zur Verfügung gestellt bekommt. Geschäftsführer Jens Geißler unterstützt bereits seit Jahrzehnten auf vielfältige Weise die Arbeit unseres Vereins. Aber es war auch Gelegenheit, über die anwesende Presse den weiteren zahlreichen Spendern, freiwilligen Helfern, Firmen, Geldgebern, Kirchen und anderen Organisationen für ihr Engagement und die Unterstützung unserer humanitären Arbeit zu danken. Vor allem war der sehnliche Wunsch zu spüren, dass bei der Tour dieses Mal alles glatt geht und die gespendeten Dinge auch Ziel und Bestimmung erreichen.

Dazu hier die Berichte von zwei Tourteilnehmern:

Bericht von Gerhard Jalowski:

Es war meine 15. Fahrt mit dem Hilfstransport nach Brest Man kann nie sagen, ich habe Routine, ich weiß wie es geht und kenne was auf mich zukommt, nein, es ist jedes Mal anders. Es waren „dichte“ fünf Tage, voller nervlicher und körperlicher Anspannung. Einer unserer Begleiter sagte: „Andere müssen Abenteuer im Fernsehen anschauen, wir erleben sie live“.

Das Wichtigste ist natürlich das Ergebnis, wir konnten alle 23 Tonnen Hilfsgüter, zwei große LKW mit Hänger, unseren Freunden übergeben. Wir wurden nicht wegen unerlaubter Einfuhrgüter zurückgeschickt oder, wie schon geschehen, kurzzeitig in Haft genommen oder arrestiert. Wir durften anregende und anrührende Erlebnisse haben und was uns verfolgen wird: Die flehende Bitte: Lasst uns mit unseren Sorgen und Problemen nicht allein, es kümmert sonst keinen Menschen wie es uns geht.

Dank sollen wir weitergeben, an alle Greizer Spender und Förderer. Greiz ist der Inbegriff für Hilfsbereitschaft, Solidarität und Menschlichkeit, dieses setzt Zeichen.

Abiturienten einer deutschen Schule fragten mich: „Warum macht ihr das ? Wir kennen Deutsche aus dem Unterricht nur als Unmenschen und Faschisten.“ In den wenigen Stunden haben wir auch über die aktuelle Politik gesprochen, ihre eigene Befindlichkeit, das Verhältnis zu Russland, zur Ukraine und der Krim. Interessant, die Erkenntnisse aus einem anderen Blickwinkel zu sehen.

Sie wussten auch von unserer Wahl am Sonntag, Verständnislosigkeit aus ihrer Sicht über die Unzufriedenheit in Deutschland, die Protestwähler und das Suchen nach einer Alternative für Deutschland.

Fazit nach 15 Jahren in Belarus: Die soziale Lage hat sich wesentlich verschlechtert, Rente für arbeitsunfähige Jugendliche zu Hause 50 €. Durchschnittsrente 80 – 100 € Durchschnittsverdienst 300 €. Keine ambulante Krankenpflege, pflegebedürftige Angehörige zu Hause oft eine Katastrophe, kein Nachtstuhl, keine Windeln, kein Pflegedienst oder gar Heim und wenn letzteres doch, keine lange Lebenserwartung mehr. Große Arbeitslosigkeit und ständiger Preisanstieg für Waren des täglichen Bedarfs und eine rasante Inflation. Medikamente müssen nach dem Verlassen des Krankenhauses rezeptiert und selbst bezahlt werden, wir haben Kinder mit Schmerzen gesehen, die Eltern hatten kein Geld, das Rezept zu bezahlen.

Dass unsere Gruppe an einem Abend, in Begleitung einer leitenden Journalistin, an den Kriegsgräbern deutscher und sowjetischer Soldaten ein Kranzgebinde niederlegte, fand enorme Beachtung. Der Text in deutscher und kyrillischer Schrift wurde laut verlesen: „Wir gedenken der Opfer von Krieg und Gewalt. Wir trauern um die getöteten Soldaten, die Frauen und Kinder. Wir hoffen auf Versöhnung und Frieden unter den Menschen und Völkern. Frauen und Männer der humanitären Hilfe aus Greiz – Thüringen – Deutschland.“

Wir haben – im wahrsten Sinn des Wortes – schwerwiegende Dinge transportieren und übergeben dürfen. Was fast ebenso wichtig ist, dass wir Interesse und Mitgefühl zeigen, Anteil nehmen an dem Schicksal kranker und auch oft sterbender Kinder, die Eltern in ihrem Leid und ihrer Trauer begleiten. So kommen auch Eltern zu den Treffen, die vor Jahren schon ihr Kind verloren haben und uns für die damalige Begleitung danken.

Wenn der Stress an der Grenze am Größten ist, körperliche und psychische Belastung grenzwertig sind, fällt oft der Satz: „Das war das letzte Mal.“ Doch nach Erholung und der Erinnerung an die wartenden und dankbaren Menschen entwickelt sich neue Motivation. Denn – wie oben festgestellt, es ist jedes Mal anders und führt meist zu einem guten Ende.

Dank allen Helfern, Unterstützern, den Fahrern und dem Koordinator Uli Jetschke.

Bericht von Peter Turtel:

Zum ersten Mal nahm ich als Begleiter und Fahrer an dem Hilfstransport des Vereins vom 20.09.-25.09.2017 teil und war gespannt auf interessante Erlebnisse. Eine Fahrt von fast 1000 km lag vor uns und verlief durch Polen auf bestens ausgebauten Straßen problemlos. Nachts kamen wir an der polnisch – weißrussischen Grenze an.

Bürokratisch penible und langwierige Grenz- und Zollkontrollen erwarteten uns, so dass unser Grenzaufenthalt sehr lange dauerte. Die Kontrollen auf weißrussischer Seite zogen sich stundenlang hin, man kann nicht gerade von einem freundlichen Empfang seitens der Beamten sprechen. Ich empfand dies als eine gezielte Schikane, da sich Ähnliches bei der Ausreise wiederholte.

Im Stadtzoll von Brest mussten gar alle LKW und Hänger entladen und nach intensiver Kontrolle durch den Zoll wieder beladen werden. Trotz zahlreicher Helfer waren wir erst spät abends fertig und die Fahrzeuge konnten erst am nächsten Tag im Lager des Brester Hilfsvereins endgültig entladen werden. Die Pakete und Möbel wurden registriert und die belorussischen Verantwortlichen verteilten und ordneten die entsprechenden Hilfsgüter.

Endlich fanden wir am Samstag nach dem Abladen Zeit, zwei Selbsthilfegruppen zubesuchen. In Berjosa empfing uns eine Familie, deren Kinder an Krebs erkrankt sind.

Sie bewirteten uns und man spürte ihre große Dankbarkeit und bekam einen Eindruck  wie wichtig unsere Hilfe ist. Viele dieser Menschen bekommen kaum staatliche Unterstützung und müssen sich selbst helfen.

Auf der Fahrt zu einer weiteren Gruppe in der Nähe von Kobrin legten wir zwei Gebinde an Gedenkstätten für gefallene Soldaten des ersten und des zweiten Weltkrieges beider Nationen nieder. Nachdenklich fuhren wir zu unserem nächsten Treffen und wurden, es war schon dunkel, von vielen Kindern und ihren Müttern empfangen. Uns erwartete ein reich gedeckter Tisch und unsere Geschenke wurden mit großer Freude verteilt, danach ging es in der Nacht zurück nach Brest.

Wir Teilnehmer des Hilfstransport waren bei Familien untergebracht und spürten, was für sie unsere Hilfe bedeutet. Viele Freundschaften sind dabei schon entstanden.

Sonntag Vormittag wurden wir herzlich verabschiedet und man konnte spüren, dass unsere Hilfe für die Menschen sehr wichtig ist. Auf der Rückfahrt wiederholten sich an der weißrussischen Grenze dieselben Vorgänge wie bei der Einreise, aber darauf war man ja vorbereitet. Die weitere Rückfahrt verlief ohne Probleme und wir kamen Montag Nachmittag wieder in Greiz an. Für mich war es eine wertvolle Erfahrung.

Das Team der aktuellen Hilfstour

Das Team der aktuellen Hilfstour

Unsere zwei LKW-Züge

Unsere zwei LKW-Züge

Endlich angekommen: Die Hilfsgüter kommen ins Lager unseres Partnervereins in Brest

Endlich angekommen: Die Hilfsgüter kommen ins Lager unseres Partnervereins in Brest

Polina ist die neu erkrankte Tochter der Familie Kalenik in Berjosa.

Polina ist die neu erkrankte Tochter der Familie Kalenik in Berjosa.

Zu Gast in Berjosa. Mit dabei Rosa Karpesch (li.), die sich als Journalistin sehr für die Thematisierung der Tschernobyl-Folgen engagiert.

Zu Gast in Berjosa. Mit dabei Rosa Karpesch (li.), die sich als Journalistin sehr für die Thematisierung der Tschernobyl-Folgen engagiert.

Kranzniederlegung in Berjosa - Deutsche und Weißrusssen gemeinsam.

Kranzniederlegung in Berjosa – Deutsche und Weißrusssen gemeinsam.

IMG_2873kleinIMG_2872klein"Maskenball" in Kobrin: Kranke Kinder und deutsche Gäste haben viel Spaß mit gespendeten Schürzen und Wollmützen.

„Maskenball“ in Kobrin: Kranke Kinder und deutsche Gäste haben viel Spaß mit gespendeten Schürzen und Wollmützen.

Geschenke auspacken ist das Schönste!

Geschenke auspacken ist das Schönste!

Wie immer gibt es einen herzlichen Abschied von unseren weißrussischen Freunden.

Wie immer gibt es einen herzlichen Abschied von unseren weißrussischen Freunden.

Abschied auch von einem behinderten Kind der Gruppe um Oksana, mit Gerhard Jalowski.

Winni und Olga kennen sich schon lange.

Winni und Olga kennen sich schon lange.

 

Ein Dankschreiben an unsere Unterstützer und Helfer finden Sie hier:

2017_10 Dankschreiben an Helfer und Unterstützer

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