„Unsere Hilfe zaubert Lächeln in Kindergesichter“ – ein Bericht vom Hilfstransport Juni 2015

Das Team unseres diesjährigen Sommertransports ist am Freitag, dem 5. Juni 2015 wieder wohlbehalten in Greiz eingetroffen. Ich bin zum dritten Mal dabei gewesen und wollte mich gezielt umschauen, wie unsere Hilfe in Brest ankommt und was für Nöte die Kinder und ihre Familien haben. Denn immer wieder wird uns die Frage gestellt wird: „Wird das denn überhaupt gebraucht und kommt das auch bei den Familien an?“

Mit im Gepäck hatte ich einen „Arbeitsauftrag“ von Elftklässlern des Greizer Gymnasiums, Material über ein einzelnes Kinderschicksal zu sammeln. Diese vier sympathischen jungen Leute, die ihre Seminarfacharbeit über unseren Verein schreiben, sind sehr engagiert und unterstützen uns bei allen Aktivitäten. Beim kommenden Greizer Park- und Schlossfest kann man sich an ihrem Stand über ihre bisherigen Arbeitsergebnisse informieren.

Dem enormen organisatorischen Aufwand im Vorfeld des Transports folgten die Strapazen der eigentlichen Reise nach Weißrussland. Kurz vor dem Ziel muss man sich dann durch die weißrussischen Zollkontrolle kämpfen, z.B. werden dort unsere Ladelisten mit der genauen Anzahl der Betten, Schränke, Sofas usw. manuell in den Computer des Zolls eingetippt. Bei vier Containern dauert das natürlich seine Zeit. Anschließend muss jeder Lastzug durch eine Röntgenbrücke, wo man im Röntgenbild den Zöllnern verschiedene Gegenstände erklären muss. Ist das nicht ausreichend, kann es passieren, dass man einen Container an der Rampe öffnen und entladen muss, um z.B. die aufgelisteten Betten einzeln zu zeigen.

Den Einsatz von Drogenhunden habe ich auch schon erlebt. Man ist immer wieder verunsichert und weiß nicht, was einen dieses Mal Neues erwartet.

Danach wird das Begleitfahrzeug untersucht. Pro Mitreisenden im Fahrzeug sind 50 kg persönliches Gepäck gestattet, was manchmal mit einer Waage nachgeprüft wird. Bei Nichteinhaltung dieser Norm kann es zu mehreren 100 Euro Strafe kommen. Da wir allein durch die vielen gespendeten Süßigkeiten vom REWE-Inhaber Jens Schott mehr Gewicht an Bord hatten, war kostenloses Herzrasen angesagt. Aber alles ging gut und nach 33 Stunden war jeder endlich bei seiner Gastfamilie angelangt.

Der gesamte Montag war dem Entladen der vier Brücken vorbehalten. Der große Berg Namenspakete für die 152 Kinder war beeindruckend.

Die beiden folgenden Tage waren wir Nonstop auf Dörfern im Brester Umland unterwegs, um Familien mit kranken Kindern im ländlichen Raum zu besuchen und uns vor Ort mit den Mitgliedern der örtlichen Sektionen des Vereins „Kinder in Not e.V.“ auszutauschen. Da es dort wenig Arbeit für die Eltern gibt, ist die Bedürftigkeit noch viel größer als in Brest.

Bei jedem Halt wurden wir herzlich empfangen und erfreuten uns weißrussischer Gastfreundschaft.

Manch einer Familie war es peinlich, uns ihre ärmlichen Wohnverhältnisse zu zeigen. Die Familie Ustimtschuk aus Drogitschin konnte erst kürzlich mit ihren 5 Kindern aus einer verfallenen Kate in ein vom Staat geschenktes einfaches Haus umziehen. Für die beiden 8- und 10-jährigen fußballbegeisterten Jungen wäre ein Fußballtrikot das Größte, die 14-jährige Tochter bastelt gern. Es gibt nur ein altes zerbeultes Fahrrad. Sofort weiß man, womit man den Kindern beim nächsten Transport eine Freude machen könnte.

Die einzelnen Kinderschicksale bewegen: Der 4-jährige Junge Ivan Simnurow war gerade mit der Mutter nach zweijährigem Krankenhausaufenthalt wieder nach Hause gekommen. Nach einer Knochenmarktransplantation musste er mit seiner Mutter vier Wochen in einem sterilen Zimmer verbringen. Jetzt ist er ganz schwach, kann nicht essen und bekommt eine extra Nahrung, die teuer ist. Ob wir ihn beim nächsten Mal wieder sehen werden, ist fraglich. Seine 6-jährige Schwester ist ebenfalls an Krebs erkrankt. Der Familie geht es emotional sehr schlecht. Sie weinen viel.

Ivans spontane kindliche Freude über mitgebrachte Spielzeug-Autos und Süßigkeiten bleibt mir in Erinnerung. Im Haus der Familie lasse ich mir zeigen, welche Möbel von uns sind. Badewanne, Sofa, Bett und Schrank. Ebenso die gesamte Kleidung. Unsere Sachen kommen also auch auf dem Land an.

So gäbe es jede Menge weiterer Schicksale zu benennen.

Im Gedächtnis bleiben die herzliche Gastfreundschaft und immer wieder die Aufforderung der Mütter, ihre Dankbarkeit an die vielen Greizer Helfer auszurichten. Ohne uns wäre das Leben mit dem Schicksal Krankheit viel schwerer zu ertragen. Die Mütter stärkt die Gewissheit, dass es in Greiz Leute gibt, die sich für sie einsetzen, für ihre Nöte interessieren und regelmäßig mit Hilfe wieder kommen.

Am Transport nahmen teil:
Michaela Lütche, Mario Dittrich, Gerhard Jalowski, Benny Dittrich, Mario Schaffran, Rudolf Halbauer sowie Ulrich Jetschke.

Im Rahmen dieses Transportes folgten Detlef und Birgit Peschel aus Wildetaube mit eigenem PKW und selbständiger Anreise, um ihre Patenfamilie Simonik zu besuchen. Wir trafen sie in Malarita. Vielen Dank und Respekt für dieses Engagement!

Großen Dank auch an alle Helfer, Geldgeber, Patenfamilien sowie der Firma Adolf Würth GmbH und Co KG, der Gesellschaft für Umwelt und Strahlenschutz – Andre Trapp sowie Alstom aus Neumark (Mario Dittrich), die diesen Transport finanziell besonders unterstützten.

Wir bitten Sie herzlich, unsere Arbeit auch weiterhin finanziell zu unterstützen, da wir für unser Lager laufende Kosten haben und die Vorbereitungen für den Weihnachtstransport bereits laufen.

Bankverbindung
IBAN: DE89 8304 0000 0773 5780 00
Verwendung: Hilfstransport

Michaela Lütche, Mohlsdorf
(Bei Fragen: U. Jetschke, Tel. 0179 9 17 43 20)

 

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