Erste Hilfstour 2018 – Erlebnisbericht von Gerhard Jalowski

Hilfstransport nach Brest 4. bis 8. Januar 2018 – ein Erlebnisbericht von Gerhard Jalowski

Bei allen durchgeführten Hilfstransporten hatten wir bei der Grenzabfertigung immer das Gefühl unwillkommen zu sein. Die weißrussischen Grenzbeamten mit ihren großen, hohen Mützen und den mit goldenen Sternen versehenen Achselklappen strahlten Autorität und besonderes Pflichtbewußtsein aus. Zugleich hatten wir das Gefühl, dass sie uns kriminelle Energie unterstellten, die Vorschriften und Gesetze des Landes zu verletzen.

Ganz anders beim jetzigen, letzten Transport.  Als hätte man das Personal ausgetauscht, keine Beamten wie oben beschrieben, sondern z.T. junge Menschen in unauffälliger Uniform, manche auch in Zivil, fertigten uns korrekt und sachlich ab. Ohne jenen Ausdruck, etwas finden zu wollen und zu müssen, was nicht den Gesetzen entspricht.

Die ganzen Jahre fragten wir uns, ob die „große Politik“, das Verhältnis der westlichen Staaten zu Russland und Weißrussland, auf die Form unserer Grenzabfertigung durchschlägt. Sollte das Gespräch von Außenminister Gabriel am 17. November 2017 mit dem weißrussischen Staatspräsidenten Lukaschenko zur Verbesserung der bilateralen Verhältnisse beigetragen und eine neue Qualität der Grenzabfertigung erwirkt haben?

Statt der gewohnten Dauer von ca. 16 Stunden zur Grenzabfertigung in den vergangenen Jahren wurden wir nach vier Stunden zur Einreise aufgefordert, ohne an die Rampe zu müssen, um die gesamte Ladung  zur Kontrolle abzuladen.

Im Mittelpunkt der zwei verbleibenden Tage stand die Begegnung mit den Kindern des Vereins „Kinder in Not“. Das russische Weihnachtsfest, welches an diesem Wochenende 6./7. Januar gefeiert wurde, war gegebener Anlass für die vielen Präsente und Geschenke aus Greiz.

Diese konnten in den Räumen der baptistischen Gemeinde an Kinder und Eltern überreicht werden, bereiteten viel Freude und glückliche Gesichter. Sowohl die vielen weihnachtlichen  Süßigkeiten von den REWE-Märkten,  als auch die zahlreichen von Greizer Bürgern gepackten persönlichen Pakete fanden ihre dankbaren Abnehmer.

Frau Katja Lukaschewitsch dankte in einer emotionalen Ansprache allen Spendern und Überbringern im Namen aller erkrankten Kinder und deren Eltern. Sie machte deutlich, dass diese Hilfe und Solidarität der deutschen Bevölkerung nicht nur in materieller Hinsicht eine Hilfe ist, sondern ihnen gleichsam Ermutigung und Stärke in ihrer schwierigen Lebenssituation vermittelt. Sie  trug uns Dankesgrüße nach Deutschland auf,  sagte die Fürbitte im Gebet für alle Menschen guten Willens in Greiz zu. Gleichzeitig bat sie inständig um weitere Hilfe für die nächste Zeit und erbat für uns hierfür die nötige Kraft und helfende Unterstützung.

Die  wirtschaftliche Lage des Landes ist katastrophal, hohe Inflation und Arbeitslosigkeit, wir sahen volle Läden und leere Kühlschränke. Wir sahen Mütter, die nicht das Geld hatten, um die rezeptierten Medikamente für ihre Kinder zu bezahlen. Wir sahen Männer,  die zu Weihnachten am 6. Januar noch nicht das Dezembergehalt in der Hand hatten, um den Weihnachtseinkauf zu tätigen oder sich um Geschenke zu kümmern.
Trotz allem erlebten wir eine überwältigende Gastfreundschaft, die Tische waren gedeckt mit Organisiertem, Eingewecktem und mancher regionalen Köstlichkeit.

Wir machten Hausbesuche bei neuerkrankten Kindern und deren Eltern, wir überzeugten uns von der Hilfsbedürftigkeit und nahmen konkrete Wünsche mit auf den Weg.

Diese Besuche machen uns deutlich, dass Tschernobyl immer seine grausame Folgen hinterlassen wird, die Schädigung des Erbgutes verhindert das „Aussterben“ dieser Folgen der Katastrophe.

Haben wir auch „nur“  vier Tonnen  Hilfsgüter mit dem Kleinbus von Jens Schott und dem PKW von Friedemann Schatz, jeweils im Gespann mit  zweiachsigen Hängern, überbringen können, so war die Effizienz enorm groß, wir brachten Freude in manches Haus und manches Herz.

Nach guter, aber anstrengender Heimreise überkam die neunköpfige Begleitmannschaft, wie immer auf der Rückreise, die „soziale Rückkopplung“: Wie geht es uns in Deutschland doch gut, wie dankbar müssten wir sein, für unseren verhältnismäßigen Wohlstand, die Gesundheit, Meinungsfreiheit und relative soziale Sicherheit!

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